Der achte Pfad 2

Rechte Gesinnung verlangt, auf weltliche und überweltliche Wünsche zu verzichten, Güte walten zu lassen und die Schädigung anderer Wesen zu vermeiden. Nur durch strenge Übung gelangt der Mönch, der konsequente Buddhist, zur bewussten Erzeugung eines solchen Charakters, so dass er sich durch keinen Anreiz mehr zu Gier, Hass und Gewalt hinreissen lässt. Rechtes Reden, der Schritt, der wohl die geringsten Anforderungen stellt, bedeutet zunächst Verzicht auf alle Lügen, auch solche aus Not heraus oder um eines anderen willen. Verpönt ist ausserdem, Informationen weiterzugehen, die andere entzweien, vielmehr soll ein gegenseitigem Verstehen und die Freude an gemeinschaftlicher Eintracht gefördert werden. Schimpfworte sind ebenso zu vermeiden wie leeres Geschwätz. Alles Reden soll höflich, denkwürdig, abgemessen, begründet und sinnvoll sein, denn nur so dient es den höheren Zielen auf dem Achtfachen Pfad. Aus demselben Grund sollen beiläufige und nutzlose Gespräche über Machthaber, Krieger und Helden gemieden werden.

Logo Rechtes Handeln besteht darin, nicht den Tod über andere Lebewesen zu bringen, sich keine Dinge anzueignen, die nicht freiwillig gegeben werden, und unzulässigen Geschlechtsverkehr zu unterlassen. Aus letzterem Gebot wurde im Westen häufig auf eine Sinnenfeindlichkeit des Buddhismus geschlossen. In der Tat gilt für Mönche das Gebot völliger Keuschheit; von Laiengläubigen wird dagegen nur verlangt, auf sexuellen Kontakt mit jungen oder abhängigen Partnern zu verzichten. „Abhängige“ sind im Sinne der Lehre Verheiratete oder Heiratswillige, ferner Gefangene sowie unter Obhut von Verwandten stehende Menschen.

Rechtes Leben bezieht sich auf die Frage nach einem karmisch heilsamen Lebensunterhalt, der anderen nicht zum Schaden gereicht. Verpönt ist der Handel mit Lebewesen, Waffen, Fleisch, berauschenden Getränken und Giftstoffen. Es ist Abstand zu nehmen von allen Berufen, bei denen Gewalt an Menschen oder Tieren ausgeübt wird. Als verwerflich gelten auch Betrug, unbeherrschte Gewinnsucht und der Versuch, unwillige Handelspartner zu überreden.

Die Einstellung zum Genuss von Rauschmitteln beweist abermals, mit welcher Besonnenheit und Einsicht in menschliche Schwächen Buddha sein Regelwerk abfasste, denn er hebt nicht den Zeigefinger moralischer Bedenken, sondern hat die sozialen Folgen im Blick (Trunkenheitsstreitigkeiten, Gesundheitsverlust, pekuniäre Schwierigkeiten). Rechtes Streben besteht darin, schlechte Eigenschaften zu beseitigen und gute zu mehren, üble Gedanken zu unterdrücken und edle Gedanken zu wecken. Rechte Achtsamkeit bietet auch dem Nicht-Buddhisten vielfältige Möglichkeiten zur Erlangung von Ruhe, Besonnenheit und Belastbarkeit.

Das eigentliche, das buddhistische Ziel besteht allerdings darin, Gier, Schmerz und Trübsal zu überwinden, den Augenblick bewusst wahrzunehmen und das Werden und Vergehen des Körpers in voller Klarheit zu erleben, um über die buddhistische Erkenntnis und Läuterung auf den Mittleren Pfad zu finden.

Die Übungen beginnen grundsätzlich mit bewusstem Ein- und Ausatmen in voller Achtsamkeit Vorüberziehende Gedanken sollen dabei nicht verjagt oder unterdrückt werden. Mit fortschreitender Praxis wird die Ablenkung gar nicht erst eintreten, kann sich der Übende völlig auf das Atmen konzentrieren. Später wird auch das Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen, Reden, Essen, Trinken usw. mit gleicher Achtsamkeit wahrgenommen.

Es folgt das Betrachten der Körperteile. Die so vorbereitete Körperschau ist es, die äusserste Besonnenheit und Wissensklarheit schafft. In aufsteigender Folge werden dann die Gefühle, der eigene Bewusstseinszustand und die sogenannten Geistobjekte (z. B. Sinnengier, Übelwollen, Aufgeregtheit, Zweifelsucht, Körperlichkeit) sozusagen von aussen betrachtet. Am Ende dieses im Detail sehr komplizierten Weges steht der Sieg über Furcht, Lust und Unlust. Ihm entspricht das Ertragen von Hitze, Kälte, Durst, Hunger, körperlichen und seelischen Verletzungen sowie das Erlangen höherer Geisteskräfte, die sich etwa im Durchschauen anderer Wesen oder in der Erinnerung an frühere Daseinsstufen manifestieren.

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