Der achte Pfad 3
Rechtes Sichversenken schafft eine zeitweilige Weltentrücktheit, indem alle Mächte des Geistes auf ein einziges Objekt gerichtet werden, beispielsweise eine Lotosblüte. Der vorausgegangene Schritt wird hier noch vertieft zum Schwinden des Bewusstseins, wie Buddha selbst es unter dem Bo-Baum erlebte. Die meditativen Vertiefungen sind vergänglich, also zeitlich begrenzt, so dass sie noch eine Vorstufe der höchsten Erkenntnis bilden.
Erst die Gesamtschau der Vier Edlen Wahrheiten und des Achtfachen Weges bedeutet die unumstössliche Buddhaschaft und damit das Ende der Wiedergeburten. »Und es stieg in mir die Erkenntnis und innere Schau auf. Unwandelbar ist für mich die Befreiung des Geistes. Dies ist die letzte Geburt, nicht gibt es nun ein Wiedersein. «Die Vorstellungen von Askese, Yoga und buddhistischer Meditation sind im Westen wenig differenziert und mit Klischees behaftet. Aus dem Umstand, dass viele Menschen in Indien und Ostasien ein hohes Mag an Körperbeherrschung erreicht haben, werden übersteigerte Erwartungen an die Meditationstechniken abgeleitet, doch sind mit dem Wohlbefinden des Yogin oder des buddhistischen Mönchs ein ganz anderer Lebensweg und eine völlig andere Weltanschauung verknüpft.
Es war ein langer und - wie er selbst befand - leidvoller Weg, den Buddha in den Jahren der Askese beschnitt, als er sich mit dem Ziel einer „gewaltfreien Selbstauslöschung“ in der Beherrschung lebenswichtiger Körperfunktionen übte, bis er schliesslich die von seinen Zeitgenossen bestaunten „Wunderkräfte“ erlangte.
Die Intention des Yogin ist eine andere, obwohl auch er den asketischen Weg wählt. Ihm geht es um ein Training, bei dem durch „Anjochung“ (Yoga) psychischer und physischer Kräfte eben jene Energien zur Entfaltung gelangen, die ihnen im normalen Leben nicht beschieden ist. Die Anfänge solcher Praktiken reichen jahrtausende zurück, wahrscheinlich bis zur Induskultur.
Auch im nicht-buddhistischen Yoga ist die Atemschulung ein zentrales Element. Prana, der Atem, wird in mühevollen Übungen retardiert und jeder Zufälligkeit entrückt. Höchster Wert wird dem Einhalten des Atems beigemessen. Denn Prana ist nach indischem Konzept ein Synonym für die Daseinsessenz, Indiz und Grund für das Nicht-Totsein. Ziel der Atemschulung ist es, den Geistkörper aus dem sichtbaren Körper zu destillieren. Aus den Erfahrungen mit Yoga und Askese entwickelte Siddharta Gautama ein neues, überraschend wirksames Konzept, das nach Zufriedenheit mit dem Augenblick trachtet: Es richtet alle Konzentration auf die Wahrnehmung dessen, was ist, etwa auf das vollbewusste, wertfreie Betrachten der Atmung. Der Gedanke der Achtsamkeit fasst darauf, da« ein Mensch, der seine Grunderfahrungen falsch oder nur teilbewusst wahrnimmt, aus den unzulänglichen Wahrnehmungen unweigerlich Fehlinterpretationen ableitet. Er wird die Qualität seines Daseins nicht begreifen und sein Ich nicht als Mikrokosmos sehen, der durch Luftschöpfen am Makrokosmos teilhat.
Der Weg des Yogin wie des Buddha verharrt nicht bei der Atmung, sondern eröffnet mit der Schulung (Yoga) oder Wahrnehmung (Buddhismus) nur den Vorstoss in neue geistige Sphären. Buddha beschreibt vier Stufen der Vertiefung, deren letzte höchste Gleichmut jenseits von Leid und Freude bedeutet.
Weiter
© 2000 by Chainat.ch
|
Das Gästebuch wartet auf einen Eintrag von dir: Hier geht es zum Gästebuch |
|
© 1997 - 2010 All Rights Reserved by Bruno Chuanwilai Road Watsingha Seitengestaltung von Bruno |