Der achte Pfad 4

Grundregel: Der Adept gibt für die Dauer der Übung alle weltlichen Beschäftigungen auf und bekennt sich zu den fünf Weisungen für Laiengläubige, vielleicht gar zu den Sittenregeln der Mönche. Er nimmt Zuflucht zu den „drei Juwelen“, hegt liebevolle Gedanken gegenüber allen fühlenden Wesen, legt das Gefallen an seinem Körper ab und erkennt das Nahen des Todes. Die Übungen erfolgen unter Anleitung eines Meditationsmeisters und sind in bequemer Sitzweise in einem ruhigen Raum zu vollziehen.
  • Der Geist richtet sich auf das Heben und Senken der Bauchdecke. Einatmend bemerkt er Heben, ausatmend Senken, ohne auf die Form der Bauchdecke oder die Worte Heben und Senken zu achten; die Konzentration gilt allein dem eigentlichen Vorgang.
  • Geistige Regungen, die während 1. aufscheinen, werden im Augenblick ihres Entstehens wahrgenommen. Eine Erinnerung wird registriert als Erinnerung, eine Überlegung als Überlegung, eine Abschweifung von der Übung als Abschweifung. Die Regung wird bis zu ihrem Schwinden verfolgt, ehe man zur Übung zurückkehrt.
  • Nach einer Weile tritt Ermüdung auf Auch dies ist zu vermerken: Der Arm wird steif, das Sitzfleisch ermüdet. Dem ist weder nachzugeben noch Auflehnung entgegenzubringen. Erfahrungsgemäss schwinden die unangenehmen Gefühle ohne weitere Einwirkung, andernfalls ist die Position zu ändern. Wechselt man etwa die Stellung eines Beines, so ist das als Wechsel zu vermerken und besonnen auszuführen, um sich dann wieder dem Heben und Senken der Bauchdecke zuzuwenden. Selbst Schmerz wird durch das geduldige Betrachten seiner Qualität und der betroffenen Körperstelle schwinden, ansonsten wirkt man ihm durch Positionsänderung oder durch Unterbrechen der Übung entgegen - wobei dies wieder als Verändern oder Unterbrechen zu registrieren ist. Mit fortschreitender Erfahrung sind solche Schmerzen kontrollierbar und treten schliesslich nicht mehr auf. Darüber, dass viele Tätigkeiten und Gedanken der Wahrnehmung entgehen, sollte man nicht die Geduld verlieren, sondern beharrlich nach Vervollkommnung der Perzeption streben. Allmählich kann man sich nun auch den Pausen zwischen Ein- und Ausatmen widmen.
  • Diese Meditationsübungen mögen, da sie viel Zeit erfordern und den gewünschten Erfolg nicht rasch erbringen, Enttäuschung hervorrufen. Auch sie muss unvoreingenommen konstatiert werden, desgleichen der Zweifel, ob denn der gesamte Weg seine Richtigkeit habe, oder auch ein Glücksgefühl über gelungene Übungen. Ebben diese Gefühle ab, gilt es wieder, den Geist auf das Heben und Senken der Bauchdecke zu richten.
    Der gesamte Übungsverlauf einer solchen „Klarblick-Meditation“, wie sie genannt wird, sollte sich über mindestens einen Tag hinziehen. Er wird beim Fortgeschrittenen nicht zur Ermüdung führen, sondern ihn im Gegenteil schliesslich befähigen, auch die Nacht hindurch, einen weiteren Tag und länger zu meditieren. Der Körper wird dabei, durch das Instrument der Achtsamkeit, als etwas erkannt, das sich steuern lässt und damit dem Leid entrückt werden kann. Genau dies aber, die Aufhebung des Leidens, ist das Ziel des Buddhismus.

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