Die Drei Juwelen des Buddhismus
Buddhist ist man weder durch Geburt noch durch ein formelhaftes Glaubensbekenntnis. Wer in der Lehre, in welcher ihrer konkreten Formen auch immer, als Wahrheit erkennt, der darf sich als Buddhisten betrachten. Sie oder er braucht keinem Zeremoniell zu folgen, keine Tempel zu besuchen, keine Götter oder gar Buddha anzubeten. Es stimmt zwar, dass derlei Rituale heute in allen buddhistischen Ländern verbreitet sind, doch handelt es sich ausnahmslos um spätere Zutaten. Buddha selbst erachtete sie als nutzlos, ja sogar als Hindernisse auf dem Weg zur Erkenntnis der Vier Edlen Wahrheiten. Die Gebote, die er aussprach, sind in keiner Weise mit den christlichen Geboten zu vergleichen; sie zu missachten bedeutet nicht, den Zorn eines Gottes auf sich zu lenken, sondern zeigt lediglich an, dass die Lehre noch nicht verstanden wurde oder dass sich der in ihr aufgezeigte Weg für den Adepten als noch zu schwierig erwiesen hat. In diesem Licht sind die moralischen Weisungen, die Buddha den Laien nannte, als Gradmesser der Erkenntnis, nicht als katechetische Pflicht zu verstehen.
Was nach einem Ritual aussieht und wie ein Glaubensbekenntnis klingt, zielt in Wahrheit darauf ab, den Gläubigen an seine spirituellen Grundfesten zu erinnern. Gemeint ist die dreimal täglich gesprochene Formel des "Dreifachen Juwels" (triratna):
- Ich nehme meine Zuflucht zu Buddha.
- Ich nehme meine Zuflucht zum Dharma.
- Ich nehme meine Zuflucht zum Sangha.
Buddha, das erste Juwel, ist weder Prophet, noch Gott, noch Inkarnation einer göttlichen Macht, sondern wird als beispielgebender Mensch gesehen, der sich dank seiner Vollkommenheit selbst zu unterrichten vermochte und durch eigene Anstrengung zur Erlösung fand. Für seine Zeitgenossen war er Wegweiser eines Pfades, der zur Befreiung führt. Zu Buddha Zuflucht zu nehmen bedeutet daher nicht sehr viel Verehrung, sondern ist Ausdruck dafür, dass der Gläubige den Rat des Erleuchteten sucht und schätzt.
Nach dem Tod des Meisters wurde die auf seinen Erkenntnissen aufbauende Lehre (Dharma) massgebend. Auch dieses zweite Juwel des Buddhismus verlangt keinen bedingungslosen Glauben. Die Lehre analysiert unsere Welt und unser Dasein, vertritt und erweist auf der Grundlage der gewonnenen Einsichten ihren tiefen Ethos und zeigt einen Weg zur Schulung des Geistes auf. Menschen, die ihr Leben vollkommen nach dem Dharma ausrichten wollen, müssen der Welt entsagen, weil ökonomische und soziale Zwänge ebenso wie berufliche und familiäre Bindungen unweigerlich zu Konflikten mit der Lehre führen und hinderlich sind auf dem Heilsweg. Solche Menschen treten dem Mönchsorden (Sangha) bei, sind damit aber keine Priester, sondern lediglich Vorbild für die Laiengläubigen.
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