Hinduistische Gestalten

Das All ist erfüllt von Leben. Ausser Menschen und Tieren wimmelt es von Geistern, Elfen und Nymphen (Apsaras), Dämonen (Asuras), Schutzgeistern (Yakshahas) und Halbgöttern. Über allem stehen die Götter, zu denen auch Sonne, Mond und Sterne gehören. Allein 33 von ihnen leben auf denBerggipfeln, vor allem auf dem mythischen Berg Meru. Dieser Gipfel ist dasZentrum des Kosmos und erhebt sich in der Mitte der scheibenförmigenWelt; er gilt als der heilige Sitz der Götter und wird bekrönt vomerkennt. Dieser indische König des Himmels benutzt als Reittier den dreiköpfigen,weissen Elefanten Erawan. Aus diesem Grund sind in Thailand die weissenElefanten heilige Tiere und gehen automatisch in den Besitz des Königs über. Indra selbst wird als treuer Anhänger und Beschützer Buddhas verehrt.

Die drei heiligen hinduistischen Hauptgottheiten sind Brahma, Vishnu undShiva. Brahma (der Schöpfer) war ursprünglich der oberste Gott, aus demdas Universum entstand. Später ordnete man ihn Vishnu unter. Er wird mitvier Armen und vier Gesichtern dargestellt. Seine Attribute sind unter anderem ein Wasserkrug, ein Bogen, Zepter und Löffel. In der Mythologiereitet er auf der Gans Hamsa.

Auch Vishnu (der Erhalter) besitzt vier Hände, in denen er Waffen und Ornamente hält. Seine Attribute sind u.a. die Lotosblume, die Keule und vor allem das Rad (Cakra), das im Buddhismus gleichzeitig die Lehre(Dharma) bzw. Buddhas erste Predigt symbolisiert und in der Kunst als Gesetzesrad (cakra stambha) dargestellt wird. Seine Gemahlin ist Lakshmi,die Schönheitsgöttin, die auf einer Lotosblüte aus dem Weltmeer geboren wurde.

Genau wie jedes Lebewesen ist auch Vishnu dem Kreislauf der Wiedergeburten unterworfen. Die Mythen des Ramakien berichten von der Wiedergeburt Vishnus als Rama oder Krishna. Daneben gilt der thailändische König ebenfalls als Inkarnation Vishnus auf Erden. Für den Thai ist die Verehrung dieses Gottes also gleichzeitig eine Verehrung seines Königshauses. Vishnus Reittier ist Garuda, ein Zwitterwesen mit dem Körper eines Menschen und Flügeln, Kopf und Schnabel eines Adlers. Mit diesem schnellen Vogelmenschen, der selbst für den Gott Indra unbesiegbar ist, schwingt sich Vishnu durch die Lüfte. So wie Vishnu mit dem thailändischen König verbunden ist, so wurde Garuda das Nationalsymbol des Königreichs und Gegenstand des thailändischen Wappens. Sie sehen seine Darstellung unter anderem im Einreisestempel oder auf dem Visumantrag, natürlich aber auch an Tempeln, in Wandmalereien und auf Geldscheinen. Garuda wird in ganz Südostasien hoch verehrt, und es ist kein Zufall, dass die indonesische Fluggesellschaft seinen Namen trägt. Der Vogelmensch tritt ausserdem als Erbfeind aller Schlangen in Erscheinung, weshalb er auf den meisten Darstellungen eine Schlange als Trophäe in den Händen hält. Auch gilt die Naga - Schlange als ein Halbbruder Garuda.

Der 3. im Bunde ist Shiva, der als Zerstörer in Erscheinung tritt. Da nach der hinduistischen Lehre des Wandels und der Seelenwanderung Zerstörung aber immer auch Neubeginn bedeutet, darf diese Funktion nicht negativ gesehen werden. Deutlich wird das an seiner Erscheinung als Phallus (llngam). Die Darstellungen zeigen Shiva oft mit einem dritten Auge und einem Halbmond, seine Attribute sind unter anderem Dreizack und Trommel. Der Stier Nandi ist sein Reittier. Als Gattin Shivas wird Devi (auch Uma, Parvati oder Kali genannt) verehrt, eine Tochter des Himalaya.

Ein Kind Shivas und Devis ist Ganeshe, ein Mischwesen aus Mensch und Elefant. Sein Körper ist der eines kleinen, dickbäuchigen Mannes mit vier Armen, darüber trägt er einen bekrönten Elefantenkopf mit nur einem Stosszahn. Ganesha ist der Hindugott der Weisheit und Schutzpatron von Wissenschaft und Künsten, er wird aber auch angerufen, wenn es irgendwelche Hindernisse zu beseitigen gilt.

Genau wie Erawan spielt Ganesha im Elefantenkult des thailändischen Königshofes eine wichtige Rolle. Wie bei den alten Griechen bilden auch die Götter des Hinduismus keine friedfertige Familie, sondern sind zum Teil in erbitterte Fehden verstrickt. Aus ihren eigenen Reihen erwachsen ihnen gefährliche Feinde, wie z. B. die grimmigen Yakshahas, die als Enkel des Schöpfergottes Brahma Halbgötter sind. Auch die Asuras stehen als Dämonen den Göttern feindlich gegenüber, ebenso die Riesen, allen voran der grausame Tosakan, der mit zehn grünen Köpfen dargestellt wird.

Das Königreich unter der Erde und dem Weltmeer ist das der Schlangen, darunter wiederum befinden sich die verschiedenen Sphären der Hölle. Die Nagas, wie man die Schlangen nennt, sind magische Wesen, die auch Menschengestalt annehmen können. Ihre Rolle ist nicht immer positiv, und deshalb werden sie auch von Garuda heftig bekämpft. In der Kunst tauchen die Naga Schlangen sehr oft auf, vor allem als geschwungene Treppenbrüstungen.

Aus dem Buch "Kleiner Einblick in den Buddhismus, Kapitel Hinduismus


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