Chiang Mai 1
Chiang Mai ist zugleich Stadt und Provinz, wobei fast 70% dieses wundervollen Landstrichs voller Naturschönheit mit Bergen und Wäldern bedeckt ist. Mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern ist die Provinz Chiang Mai zudem eine der grössten Thailands, wobei nach manchen Schätzungen 200.000 dieser Einwohner innerhalb des Stadtbereichs von Chiang Mai anzufinden sind, während viele Bergstämme in den umgebenden Bergregionen leben. Wer sich für die Geschichte dieser Bergstämme Chiang Mais interessiert, kann im Hill Tribe Museum einen Einblick gewinnen oder eine durchorganisierte Trecking-Tour in eins der Stammesdörfer buchen.
Die Stadt ist reich an Geschichte, die einem im National Museum
veranschaulicht wird. Die Anfänge der Geschichte Chiang Mais liegen dabei
mehr als 700 Jahre zurück und sind in Yunnan, einer Provinz in Südchina
verwurzelt. Viele Thaistämme lebten seit Mitte des 7. Jahrhunderts in
dieser Region, dem Königreich Nanchaos, das jedoch 1254 von Kublai Chan
erobert wurde. Dadurch waren die Thais gezwungen, einige Hundert Kilometer
südlich ins heutige Nordthailand zu ziehen, wo sie viele neue Städte gründeten.
Eine der grössten davon war Chiang Rai, ungefähr 160 Kilometer nördlich
von Chiang Mai, wo Prinz Mengrai aus dem Nanchao-Königreich das 'Königreich
der Millionen Reisfelder' errichtete. Es ist auch als das Lanna-Königreich
bekannt.
Zunächst musste er jedoch die Haripoonshais bezwingen, die schon seit 600
Jahren die Kultur, Kunst und Religion in der Region bestimmt hatten.
Nachdem Mengrai mit seinem Gefolge das Haripoonschai-Königreich besiegt
hatte, behielt man viele der schönen Baustile und der buddhistischen
Kunstformen aufrecht, die in bedeutendem Masse die Architektur
Nordthailands beeinflussten. Als bestes Beispiel dafür dient die kleine
Stadt Lamphun, ungefähr 30 Kilometer südlich von Chiang Mai, wogegen das
wahrscheinlich herausragendste Beispiel für Haripoonshai-Baukunst Wat
Phrathart Haripoonshai liefert.
Mengrais neues Königreich dehnte sich recht schnell aus, bis es die Grösse
des heutigen Nordthailands erreicht hatte. Zur gleichen Zeit florierte ein
grösseres Königreich, das von König Ramkamheang gegründet worden war
und von Sukhothai regiert wurde, südlich des Lanna-Königreichs. Glücklicherweise
hatten die beiden Herrscher ein gutes Verhältnis zueinander, so dass
beide Königreiche ohne Kämpfe recht mächtig wurden. 1291 beschloss König
Mengrai, eine neue Hauptstadt für sein wachsendes Königreich zu
errichten, und so wählte er auf dem landwirtschaftlich reichen Landstrich
zwischen dem Suthep-Gebirge und dem Ping einen Standort für die neue
Stadt, deren Errichtung rasch darauf begann.
Die Stadt nahm eine Fläche von 800m x 790m ein und wurde als Erstes mit
einem Schutzwall versehen. Danach folgte der Bau eines Stadtgrabens um die
Stadt herum sowie die Errichtung starker Tore, von denen viele bis zum
heutigen Tag erhalten geblieben sind. Des Weiteren folgte die Erbauung des
Tempels Wat Chiang Man, der sich im Nordosten der Altstadt des heutigen
Chiang Mais befindet und ebenfalls von Mengrai gegründet wurde. In diesem
Tempel, der ein ausgezeichnetes Beispiel für den schönen nordthailändischen
Lanna-Stil liefert, verbrachte Mengrai auch die letzten Jahre seines
Lebens. Ein weiterer nennenswerter Tempel, der aus dem Jahre 1345 stammt,
ist der Wat Phra Sing im Westen der Stadt. Das ursprüngliche Gebäude
wurde über die Jahrhunderte hinweg ergänzt und dient heute als
Aufbewahrungsort des Phra Singh Buddhas, eines goldenen Buddhas, der im
Jahre 360 A.D. in Sri Lanka aus Gold gegossen worden sein soll. Aufgrund
eines Schiffbruchs gelangte er dann nach Thailand und verbrachte auch
einige Zeit in Laos. Eine ebenso wichtige Tempelanlage ist Wat Chedi
Luang, die sich im Süden der Altstadt befindet und ursprünglich aus vier
kleinen Tempeln bestand. Der elegante chedi (Turm) dieser Anlage
wurde im Jahre 1381 an der Stelle errichtet, wo einst die ursprüngliche
Stadtsäule Chiang Mais gestanden hatte. Heute dient der Tempel als
Zentrum buddhistischer Lehre in Chiang Mai.
Die gute Beziehung zwischen dem Lanna-Königreich und dem südlichen
Thai-Pendant verschlechterte sich jedoch bald, da König Ramkamheang das
Lanna-Königreich nicht als gleichwertiges Thai-Königreich anerkennen
wollte, und so versuchte er gegen Ende des 14. Jahrhunderts wiederholt,
das Lanna-Königreich unter die Herrschaft seines südlichen Königreichs
zu bringen. Wer Interesse hat, kann heute dieser heiklen Beziehung
zwischen den beiden Königreichen im Dara Pirom Museum näher auf den
Grund gehen.
Zum eigenen Schutz verbündete sich das Lanna-Königreich häufig mit den
Burmesen, aus welcher Zeit auch die burmesischen Einflüsse in der
Tempelgestaltung und -bauweise stammen, die noch heute in Chiang Mai
deutlich zu erkennen sind. Als älteste Beispiele aus jener Zeit gelten
dabei Nakorn Lanna 1296 und der Kantoke Palace. Besucher können auch
anhand der Kunst- und Handwerksarbeiten Nordthailands die Lanna-Ära ein
wenig nachempfinden, wofür besonders Orte wie Lanna Thai, die Pon Art
Gallery, die Tita Gallery und Lanna Toys n Crafts zu empfehlen sind.
Chiang Mai feierte 1996 sein 700-jähriges Bestehen seit der Stadtgründung.
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