BELEIDIGUNGEN

Wenn Sie Ärger vermeiden wollen ...

Berühren Sie niemals den Kopf eines Thais. 

Der Kopf gilt als Sitz der Seele und ist somit der "höchste" und am meisten zu respektierende Körperteil. In früheren Zeiten sollen sich selbst Scharfrichter bei ihren Opfern im vorab dafür entschuldigt haben, dass sie deren Kopf zu "berühren" hätten.  

Ebenso waren die Thais bis in die jüngste Vergangenheit wenig geneigt, in mehrstöckigen Häusern zu leben, da so ständig jemand über dem Kopf gewohnt hätte. Noch bis in die sechziger Jahre dieses Jahrhunderts waren die höchsten Gebäude die Tempel, und niemand hätte gerne höher gewohnt als die zahllosen verehrten Buddhastatuen. Noch heute werden die Buddhafiguren in Hausaltären so hoch platziert, dass sie sich höher als die Köpfe der Hausbewohner befinden. Noch bis Anfang dieses Jahrhunderts weigerten sich die Thais, eine Brücke zu überqueren, unter der gerade jemand durchging. Aus Respekt vor dem "Sitz der Seele", über den sich niemand zu erheben vermochte.  

Heute gilt es in erster Linie, Kopfberührungen zu vermeiden. Die Berührung des Kopfes kann als extreme Beleidigung und Erniedrigung aufgefasst werden und könnte handgreifliche Konsequenzen nach sich ziehen. Zumindest aber wird der Übeltäter als unsensibler Barbar angesehen. Aus Respekt vor dem Kopf machen sich die Thais "kleiner", wenn sie an sitzenden oder sogar an stehenden Personen vorübergehen. Dazu geht man beim Laufen leicht in die Knie und trägt einen um "Verzeihung" bittenden Ausdruck im Gesicht. Auch wenn sich der Kopf durch das leichte "In die Knie gehen" nicht tatsächlich tiefer befindet als der Kopf der zu passierenden Person (z.B. bei Sitzenden), so zählt bereits der gute Wille.

Kopfberührungen werden nur zwischen sich sehr nahe stehenden Personen geduldet, also etwa zwischen Ehepartnern oder Mutter und Kind. Bei einem so nahen Verhältnis geht man davon aus, dass es sich bei der Berührung nur um eine wohlmeinende, liebevolle Geste handeln kann. Ausländer sollten aber jegliche derartige Berührung unterlassen, um keinerlei Missverständnisse zu provozieren.  

Vom Kopf-Berührungs-Tabu sind ansonsten nur Friseure, Masseure/Masseusen und Ohrenärzte ausgenommen. Interessanterweise gehört der Friseurs-Beruf zu etwa einem halben Dutzend von Berufen, die nach thailändischem Gesetz nur thailändische Staatsbürger ausüben dürfen!

Zeigen Sie niemals mit dem Finger auf Personen!

Dies ist ein Zeichen der Respektlosigkeit der betreffenden Person gegenüber und degradiert sie zu einem "niederen" Menschen. In früheren Zeiten zeigten so nur Herrscher auf ihre Sklaven, und dann war meist nichts Gutes zu erwarten! (Das Wort für Sklave, thaat, ist auch heute noch eine schlimme Beleidigung.) So hat die Geste auch etwas Bedrohliches, Gefährliches an sich. Zudem verabscheuen es die (zumeist sehr zurückhaltenden) Thais, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Der Fingerzeig, der sie etwa aus einer Gruppe von Leuten heraushebt, gibt Anlass zu Peinlichkeitsgefühlen.  

Anstelle mit dem Finger zu zeigen, weise man durch ein kurzes Kopfnicken in Richtung der betreffenden Person. Das ist zwar nicht so exakt wie der Fingerzeig, zeugt aber von Sensibilität und Anstand.

Steigen Sie niemals über am Boden sitzende oder liegende Personen oder über Speisen oder "heilige" Gegenstände!

Das "Übersteigen" einer sitzenden oder liegenden Person kommt einer bewussten Erniedrigung gleich, da die als unrein geltenden Füsse des Missetäters (und auch seine Genitalien!) sich über dem Kopf der anderen Person befinden. Der Thai wird in einer solchen Situation alles daransetzen, die Person weiträumig zu umgehen und dabei noch (wie zuvor beschrieben) in die Knie zu gehen und den Kopf zu senken. Ist ein Umgehen unmöglich, wird man versuchen, die am Boden befindliche Person auf das Dilemma aufmerksam zu machen, damit diese so Platz schaffen kann.  

Am Boden befindliche Speisen werden durch das Übersteigen entweiht und spirituell unrein. Nahrungsmittel sind lebenswichtig und gelten so als heilig; das gilt in erhöhtem Masse für den Reis, der die Grundlage einer jeden Mahlzeit bildet und so der Hauptlebensspender ist. Zudem wohnt dem Reis die Kraft der "Reisgöttin" Mae Posop inne, deren Zorn so heraufbeschworen werden könnte.  

Das wiederum könnte Auswirkungen auf die nächste Ernte haben, vor der die Reisbauern traditionellerweise Mae Posop um ihren Beistand bitten.

Ebenso wenig dürfen am Boden befindliche "geheiligte" Gegenstände überstiegen werden. Dazu gehören hauptsächlich rituelle Objekte, die z.B. beim Gebet Verwendung finden, und vor allem Buddhafiguren. Sie würden durch das Übersteigen (Füsse und Genitalien darüber!) der ihnen innewohnenden spirituellen Kraft beraubt. Im allgemeinen sorgen die Thais dafür, dass derlei Objekte nie zu ebener Erde aufbewahrt und so der Gefahr der Entweihurig preisgegeben werden.

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